28. Dezember 2010: Tag der unschuldigen Kinder

Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat die Präimplantationsdiagnostik (PID) mit dem biblischen Kindermord von Bethlehem verglichen. König Herodes habe eine Selektion nach ganz bestimmten Kriterien vorgenommen, genau dies täten heute die PID-Befürworter.

Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen außerhalb des Mutterleibs auf Erbkrankheiten untersucht bevor sie endgültig implantiert, dem weiblichen Körper zugeführt werden. So sollen Fehl- und Totgeburten oder Geburten kranker oder behinderter Kinder vermieden werden. Nicht implantierte aussortierte Embryonen sterben ab.

In der katholischen Morallehre gibt es keinen Unterschied zwischen dem vorsätzlichen Töten eines lebenden Menschen und dem vorsätzlichen Abtreiben einer befruchteten Eizelle:

Beides ist Mord!

Das Vergleichen von Fakten, die nicht vergleichbar sind, wie die PID mit dem biblischen Kindermord von Bethlehem heißt Relativismus. In diesem Fall handelt es sich um einen moralischen Relativismus. Der moralische Relativismus bringt Tatsachen zusammen, die nicht zusammen gehören. Entweder wird ein Faktum moralisch erhöht, oder ein anderes Faktum moralisch erniedrigt, oder beides.

So führt der Vergleich der Hühneraufzucht in Käfigbatteriehaltung mit einem KZ dazu, dass unsere Empathie sich den geschundenen Hühnern zuwendet, sich von den KZ-Häftlingen abwendet, oder beides.

Im Meisnerschen Fall bedeutet dies, dass PID und Kindermord gleichermaßen verwerflich sind, dass PID eine Todsünde und strafbar ist, oder dass Kindermord gesellschaftlich akzeptiert wird, oder beides.

Nun ist der biblische Kindermord von Bethlehem historisch fragwürdig, nicht erfolgt.

Statt mit dem historisch fragwürdigen biblischen Kindermord von Bethlehem hätte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner die Präimplantationsdiagnostik mit historisch gesicherten Ereignissen, wie dem Holocaust [Embryocaust], dem Genozid in Darfur oder der Christenverfolgung in islamischen Ländern vergleichen können. Als Theologe ist es verständlich, dass er sich als Vergleich ein biblisches Thema auserwählt hat. Wahrscheinlich wusste der Erzbischof instinktiv, dass ein Vergleich der PID mit der derzeitigen Christenverfolgung kein gesellschaftlich akzeptiertes mediales Interesse erregen würde.

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