Deutsche Juden und Zionismus

Die meisten Juden verstehen sich primär als Nation, erst dann als Religionsgemeinschaft. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht unter den Griechen: Wer griechisch-orthodox ist, ist gewöhnlich Grieche.

Das Judentum kann existenziell an seinen Einschluss- und Ausschlusskriterien verstanden werden:

Ein Jude kann sein Judentum verheimlichen, jedoch verlässt er es nach jüdischer Auffassung nicht, selbst wenn er eine andere Religion oder Nationalität annimmt.

Der Übertritt zum Judentum ist ein Beitritt zur Jüdischen Nation, der über die Religion stattfindet. Ein Übertritt zum Judentum allein auf Grund des Glaubens ist höchst suspekt. Vom Konvertiten wird erwartet, dass er die Anzahl der Juden mehre, weshalb eine Familie nur geschlossen zum Judentum übertreten kann.

Juden gehören keiner bestimmten Rasse an: Es gibt Kaukasier, Chinesen, Negroide, sogar indianische Juden, meist Stammeshäuptlinge. Japanische Juden sind eine Rarität. Das jüdische Volk, die Israeliten bis vor etwa 3.000 Jahren, waren Semiten. Juden jedes Ursprungs und jeder Couleur identifizieren sich mit dem jüdischen Volk und sind wohl zum großen Teil dessen Nachkommen, jedoch nicht jeder einzelne Jude.

Soweit die Kurzform, was ein Jude ist. Sicher ist aufgefallen, dass der Glaube nicht erwähnt wird. Nun zum Zionismus:

Der Zionismus ist die Ideologie des Jüdischen Staates Israel. Er besagt, dass Juden einen eigenen Staat brauchen, um antisemitischen Verfolgungen zu entgehen. An diesem Satz ist außer dem Wort „antisemitisch“ nichts spezifisch jüdisch, denn viele Völker, gewöhnlich Minoritäten, die keinen eigenen Staat haben, werden verfolgt. Sie leiden eher in Diktaturen, doch auch in Demokratien werden sie benachteiligt (s. Abschiebung von EU-Zigeunern aus Frankreich). Der Einzelne wird also allein durch seine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk bedrängt. Auch Mitglieder eines Volkes, welches einen Staat sein eigen nennt, bleiben von Verfolgung nicht verschont. Doch im Gegensatz zu Mitgliedern der Minorität besteht die Sicherheit, dass nicht alle Mitglieder des staatstragenden Volkes umgebracht werden können, ohne die Existenz des Staates selbst zu gefährden.

Der Zionismus verpflichtet sich, jeden Juden, insbesondere den bedrängten, in Israel aufzunehmen und ihm dort ein verfolgungsfreies Leben zu gewähren. Dazu bedarf es eines Jüdischen Staates, welcher so stark ist, dass er nicht von seinen Nachbarn, die ihn, so sie könnten, sofort vernichten und seine Juden ermorden oder vertreiben würden. Die Stärke des Jüdischen Staates beruht auf Qualität und Quantität der Juden. Juden, die nicht in Israel leben, sind somit keine Zionisten. Menschen, die den Zustrom an (bedrängten) Juden nach Israel verhindern, sind somit Antizionisten, sogar wenn sie Juden sind.

Der Zuzug der Juden aus der Sowjetunion, der bereits vor dessen Zerfall begann, hat die Position Israels und der dortigen Juden gestärkt. Das Verhalten der deutschen Bundesregierung und des Zentralrates der Juden in Deutschland, jedem sowjetischen Juden den Zuzug nach Deutschland zu erlauben, hat die Position Israels und der dortigen Juden geschwächt. Die Position der Juden in Deutschland wurde nur suboptimal gestärkt, weil die meisten russischen Juden sich in Deutschland vom Judentum abwandten, was in Israel für die einwandernden russischen Juden auf Grund der jüdischen Umgebung nicht möglich war und ist.

Diese Denkungsart scheint denm westeuropäischen Idelal zu widersprechen, welches das Individuum in den Mittelpunkt stellt. Doch im Fall der russischen Juden geht es nicht um Einzelschicksale, sondern um das Schicksal der Jüdischen Nation und des Jüdischen Staates. Auch Deutschland gewährt den „Deutschstämmigen“ den Zuzug ins eigene Land und wäre (vielleicht) erbost, wenn jedem verfolgten Deutschen der Aufenthalt in den USA angeboten werden würde, um die Deutsch-Amerikaner zu stärken.

Derzeit läuft eine estnische Campagne, ausgewanderte junge Esten nach Estland zurückzulocken, um den Staat aufzubauen. Dieses Verhalten stößt bei uns auf Unverständnis, weil Deutschland Ärzte und Ingenieure aus dem Osten anwirbt, um den Luxus der deutschen Bevölkerung zu erhalten. Sogar Akademikern aus afrikanischen Entwicklungsländern, die dort dringend gebraucht werden, wird der Westen schmackhaft gemacht.

Das Abwerben von Bevölkerungsteilen zum Nachteil der Gesamtbevölkerung ist unethisch. Nicht unethisch ist die Entscheidung des Einzelnen, in die Fremde zu ziehen, um sein Glück zu suchen und seine Liebe zu finden.

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