Tanzen am Karfreitag?

Tapfer im Nirgendwo

http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/04/03/und-wieder-mal-karfreitag/

ist ein ausgezeichneter lesenswerter Blog des Kölner Künstlers (Kunst gegen Bares) und aktiven Israelfreundes Gerd Buurman.

In einem seiner letzten Artikel „Und wieder mal Karfreitag!“ wendet er sich gegen das staatliche Verbot, am Karfreitag zu tanzen, zu musizieren oder Theater zu spielen. Er betrachtet das Verbot als nicht zeitgemäß und undemokratisch.

Auf meinen Einwand hin, dass die Verbote am Karfreitag ein Diktat der Mehrheit, also demokratisch legitimiert seien, antwortet Gerd Buurman:

„Demokratie ist nicht Pöbelherrschaft! Nicht immer zählt die Mehrheit. Ein Mensch, der frei sein möchte, trumpft Millionen selbstverschuldete Unmündige. Oder: Menschenrechte sind nicht verhandelbar! Als 1992 die Mehrheit in einem Kanton in der Schweiz gegen das Frauenwahlrecht stimmte, sagte Bern: Fuck You! Frauen dürfen wählen, und wenn es nur eine will. That’s democracy!“

Ich möchte meine kurze Antwort allen Interessierten kund tun.

„Pöbel“ drückt abschätzig und  pejorativ das „gemeine Volk“ aus. Es entstammt dem Altfranzösischen „poble“, heute „peuple“, was Volk, griechisch „Demos“ heißt. „Pöbelherrschaft“ ist somit „Demokratie“, wenn auch abschätzig.

In der westlichen modernen Demokratie wird die Macht der Mehrheit durch die Verfassung oder das Grundgesetz beschnitten. Die Verfassung wird im Nachhinein vereinzelt demokratisch durch Volksentscheid legitimiert, nicht so in Deutschland. In der Verfassung finden sich Menschenrechte, die nicht durch die Mehrheit verändert werden dürfen.

Woher kommt die Verfassung?

Die Verfassung basiert auf die Aufklärung, die auf das Christentum und die griechische Philosophie zurückgreift. Das Christentum selbst begründet sich auf griechische Philosophie und Judentum. Somit ist die christliche Religion der Dreh- und Angelpunkt unseres deutschen Grundgesetzes. Wichtige Teile des Christentums verbieten am Karfreitag das Tanzen, das Musizieren und das Theaterspielen.

Somit ist es in Deutschland eine demokratische Tradition, den Karfreitag im Stillen abzuhalten.

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10 Antworten zu Tanzen am Karfreitag?

  1. Daniel R schreibt:

    Klassisch christliche Argumentationsweise. Alles, was als ganz nützlich empfunden wird, wird adaptiert, geklaut und einverleibt, nur um dann als etwas Eigenes ausgegeben zu werden. Der Gedanke, dass Menschenrechte und eine Verfassung im Grunde eine gute Sache sind, ist so aufklärerisch und säkular, wie er nur sein kann. Hätte das Christentum das Sagen behalten, wären wir immer noch soweit von Menschenrechten entfernt wie zu Zeiten von Inquisition und Hexenverbrennungen.

    • anti3anti schreibt:

      Mag sein. Ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das Christentum Basis der Aufklärung und der Demokratie ist.

      • Daniel R schreibt:

        Das behauptet zumindest das Christentum. Dass allein das Wort Demokratie auf eine Tradition/Kultur/Gesellschaft verweist, die deutlich älter ist, ist da natürlich nicht von Belang. Und wie demokratisch und aufklärerisch das Christentum selber ist, muss ja wohl auch nicht lange debattiert werden. Das ist also letzten Endes nix weiter als eine Behautpung, die offenbar jeder Grundlage entbehrt. Es sei denn „Basis“ bezeichnet irgendwas, das halt zeitlich irgendwann oder direkt vorher war. Und dann ist im Falle der Bundesrepublik D auch der Nationalsozialismus Basis der Demokratie.

      • Dante schreibt:

        Tatsache ist, dass die Aufklärung im ‚Christlichen Abendland‘ stattgefunden hat. Tatsache ist auch, dass viele (nicht alle) Aufklärer Christen waren und sich durchaus auch auf Jesus Christus berufen konnten. Gleichwohl sind die Ideen des Christentums nicht an bestimmte religiöse Vorstellungen gebunden, und umgekehrt berufen sich auch Antidemokraten und sogar Rassisten auf Jesus, auch wenn dies jeglicher GRundlage entbehrt.

  2. Dante schreibt:

    „Pöbel“ drückt abschätzig und pejorativ das „gemeine Volk“ aus. Es entstammt dem Altfranzösischen „poble“, heute „peuple“, was Volk, griechisch „Demos“ heißt. „Pöbelherrschaft“ ist somit „Demokratie“, wenn auch abschätzig.

    Das stimmt nicht ganz: Mit Demos (bzw. Damos, im dorischen Dialekt, der z.B. in Sparta gesprochen wurde) war die Gesamtheit der Vollbürger gemeint, und das konnten, gemessen an der Gesamtbevölkerung, ziemlich wenige sein. Das einfache Volk heißt auf Altgiechisch „Laos“, nicht zu verwechseln mit einem Nachbarstaat von Thailand. Das Wort ist über Vornamen wie „Nikolaus“ und damit auch „Klaus“ auch in unsere Sprache gekommen.
    „Pöbelherrrschaft“ in dem Sinne, wie es Buurmann meinte, heißt im Griechischen „Ochlokratie“ von „Ochlos“, was soviel wie „Menschenmenge, Mob“ bedeutet. Das Wort „Pöbel“ wiederum hängt zwar wohl ethymologisch mit frz. „peuple“ zusammen, heißt aber lange nicht mehr dasselbe, sei es, dass das französische Wort durch die Revolution eine Aufwertung erfahren hat, sei es, dass es dem deutschen Wort umgekehrt erging.

  3. Dante schreibt:

    Auf meinen Einwand hin, dass die Verbote am Karfreitag ein Diktat der Mehrheit, also demokratisch legitimiert seien, antwortet Gerd Buurman:

    „Demokratie ist nicht Pöbelherrschaft! Nicht immer zählt die Mehrheit. Ein Mensch, der frei sein möchte, trumpft Millionen selbstverschuldete Unmündige. Oder: Menschenrechte sind nicht verhandelbar!

    Da gebe ich im Kern eher Buurmann Recht. Das Wort „Pöbelherrschaft“ ist zwar unglücklich gewählt, aber wichtig ist mir Folgendes: Wenn Demokratie lediglich die – unumschränkte – Herrschaft der Mehrheit wäre, so wäre sie nichts grundsätzlich Besseres als eine Diktatur – nur die Anzahl der Diktatoren wäre größer. Abgesehen davon würde sich eine unumschränkte Mehrheitsherrschaft selbst ad absurdum führen, denn es könnten immer 51% der (noch) Stimmberechtigten den übrigen 49% das Stimmrecht entziehen, und wenn man das oft genug wiederholt, wären am Ende nur noch 2 Leute übrig.
    Aber zurück: Warum ist Demokratie überhaupt eine erstrebenswerte Staatsform? In ihr sind Entscheidungsprozesse langsamer und schwerfälliger als in einer Autokratie, und auch vernünftige Entscheidungen kommen zuweilen nicht zustande.
    Warum also ist Demokratie erstrebenswert? Weil in ihr nicht einfach über die Köpfe der (von politischen Entscheidungen ja durchaus betroffenen) Bürger hinwegregiert werden kann, weil in ihr der Mensch (und zwar jeder Einzelne) ein mit Rechten ausgestattetes Wesen ist, über das nicht einfach verfügt werden kann wie über ein Objekt. Warum halte ich dies generell für erstrebenswert? Weil ich es für mich selbst für erstrebenswert halte, weil ich selbst kein Spielball Anderer sein will.
    Wenn man Menschen als Objekte denken kann bzw. darf, mit denen jemand, der die Machtbefugnisse dazu hat, tun und lassen kann, was er will, gibt man damit automatisch jede moralische Überlegenheit der Demokratie gegenüber der Diktatur auf.

  4. besucher schreibt:

    Wenn am Karfreitag getanzt werden darf dann dürfen auch überall Mohammed-Karikaturen ausgestellt werden. Gibt es dazu ein Statement der Piratenpartei?

  5. Olaf schreibt:

    Buurmann und seine Genossen sind vor allen Dingen aktive Löscher von posts mit anderer Meinung. So ein DDR Blog.

    • Dante schreibt:

      Dieser Kommentar steht immer noch, obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass der Blogbetreiber der Meinung ist, er lösche einen Kommentar allein deshalb, weil er nicht seiner Meinung entspricht.

    • Dante schreibt:

      Nachtrag:
      Lesen Sie mal den Blog „Dear man with a sign“. Dort vertritt kaum jemand dieselbe Meinung wie Gerd Buurmann, und die Kommentare sind alle noch da.

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